Gedanken zum Welpenspiel

Veröffentlicht am

Sinn und Unsinn von Welpenspielgruppen

Sehr oft stehen Welpenspielgruppen am Pranger vieler Hundeexperten.
So sollen gerade dort angeblich Fehlverhalten manifestiert werden und dort machen Welpen angeblich traumatische Erfahrungen machen, die für immer das Verhalten negativ beeinflussen.
Ja, das mag sein, wenn man einfach einen Haufen wildgewordener Welpen aufeinander los lässt, ohne jemanden dabei zu haben, der Situationen erkennt und weiß was wann zu tun ist.

Dagegen steht dann auch der Ruf nach „Welpenschule“, in der der kleine Hund schon ganz früh die Ausführung von Befehlen lernt. Nach dem Motto „was Hänschen nicht lernt………“ , lernen Welpen dort, dass sie an der Leine bleiben und üben müssen, wenn andere Welpen in der Nähe sind.

Nun arbeite ich seit 27 Jahren mit Menschen und ihren Hunden und habe in dieser Zeit viele Phasen durchlaufen.
Die Zeit hat sich verändert und die Einstellung der Menschen zu ihren Hunden auch.
In vielen Punkten ist das natürlich gut, aber irgendwie ist die Natürlichkeit zu ganz normalen Themen verloren gegangen. Es wird analysiert,psyschologisiert, konditioniert…… Und auf der Strecke bleibt der Welpe.

Nach fast 3 Jahrzehnten sage ich zu Hundehaltern, die ihren Welpe analysieren, am liebsten: „Das ist ein Baby“!

Auch, wenn das Welpenspiel in meiner Hundeschule wie ein lockerer Welpentreff aussieht, ist es in der Regel für die anwesenden Trainer harte Arbeit.

Wir sehen nicht nur spielende Welpen, sondern Entwicklungen in den Verhaltensweisen, wir müssen blitzschnell reagieren, wenn ein Welpe Hilfe braucht, wir leiten Halter an Kommunikationsmuster zu erkennen, zeigen wie man ängstliche Welpen schützt, stehen ängstlichen Haltern zur Seite, erklären welche Situationen man laufen lässt und wo man eingreift, beantworten gefühlte 1000 Fragen pro Stunde und haben immernoch eine kuschelnde Hand für die süßen Welpen und erklären wie wichtig Nähe und Wärme für Babys ist.

Und was lernt der Welpe dabei?
Der Welpe lernt im Spiel wichtige Kommunikationsmuster. Er lernt Auseinandersetzung, hat Erfolge und Misserfolge aus deren er Fahrung er profitiert.
Er lernt, dass der Mensch für ihn da ist, wenn Not am Mann ist und manchmal lernt er auch, dass er ein gewisses Mass an Frust zu ertragen hat.
Er entwickelt soziale Kompetenzen, die ohne das Spiel mit anderen Welpen niemals möglich wären.

Und was lernt der Mensch dabei?
Der Mensch lernt vor allem Situationen zu beurteilen und weiß , worauf er achtet, wenn es zum Konflikt kommt.
Braucht mein Welpe Hilfe? Wie helfe ich ihm?
Fragen im häuslichen Miteinander werden beantwortet, erklärt und ggf gezeigt.

-Was ist das, wenn mein Hund abends „ausrastet“?
-Warum beisst der Zwerg in Hosenbeine und Hände?
-Wie mach ich das, dass der Hund nicht alles frisst?
-Wie bekomme ich meinen Welpen stubenrein?
-Wie wird der kleine Hund stubenrein?
-uswuswusw
Alles Fragen die ganz „nebenbei“ zum Thema werden

Vor allem lernt der Mensch, dass das Wichtigste ist, dass der Welpe ein Baby/Kleinkind ist, dass Bindung vor allem durch Nähe und Wärme entwickelt…. Nicht durch sitz-platz-fuss und schon gar nicht nur durch Leckerlies.
Wenn die Kleinen das Welpenspiel verlassen und in die Anfängerkurse gehen, ist Zeit genug den Hunden, die dann Kinder im Grundschulalter sind, zu erklären welcher Befehl wie an den Hund herangebracht wird.
Dabei erklären wir dann genau wie der Hund welche Handlung des Menschen versteht.
Und glaubt mir, dann ist es noch lange nicht zu spät….. sondern alles andere zu früh.

Sehr oft bringe ich meine Hündinnen mit zum Welpenspiel.
Stellt sich auch hier die Frage warum und ob das nötig ist.

Ja, ist es!
Nicht jeder hat den Luxus soziale erwachsene Hunde in seinem Umfeld zu haben.
Jeder Welpe muss lernen, dass man nicht in jeden erwachsenen Hund ungebremst hineinrasseln darf, oder, dass man sich einem erwachsenen Hund, der gerade eine Ressource bewacht, eher mit Vorsicht nähert.
Lernt ein Welpe das an einem Hund, der hundegerecht reglementiert, ist die Gefahr, dass er draussen einfach auf einen Hund, der evtl weniger sozial reagiert, zurennt, auf Dauer sehr viel geringer.
Auch hier erklären wir genau (oft schon im Vorfeld) was passiert und warum das wichtig ist.
Wichtig ist natürlich, dass die erwachsenen Hunde im Welpenspiel das soziale Spiel der Welpen nicht unterbrechen.
Ausser der Trainerhunde sind auch keine weiteren erwachsenen Hunde im Welpenspiel erlaubt

Ein paar Fragen die oft gestellt werden:

-Frage:Ab wann komme ich mit dem Hund ins Welpenspiel?
-Antwort: Sofort! Die Frühsozialisierung ist kurz. Alles was Welpen in der Zeit erleben, nehmen sie einfach als dazugehörig hin. Nutzt die Zeit so schnell wie möglich.

-Frage: Wie lange darf der Welpe ins Welpenspiel?
-Antwort: Grober Richtwert ist bei mir so ca 20 Wochen. Das wird allerdings im Einzelfall entschieden, da sich ja nicht jeder Hund gleich entwickelt. Je nach Rasse, Typ und Mensch-Hund-Konstellation wird das individuell entschieden.

-Frage: Darf ich meinen Mann/meine Frau/meine Kinder mitbringen?
-Antwort: Ja natürlich!

-Was brauche ich fürs Welpenspiel?
-Antwort: Einen Welpe, Kursgebühr, gute Laune und Lust sich auf die Trainer einzulassen.

Es gibt sicher noch viel mehr Fragen, aber dies hier sind die, die meist zu Anfang kommen.

Wichtig ist, dass ihr uns vertraut. (heisst nicht, dass nicht hinterfragt werden darf)
Fast alle Welpen der Hundeschule sind sozialverträgliche und wirklich tolle Hunde geworden. Natürlich spielt auch die genetische Disposition eine große Rolle. Und auch der Umgang mit dem Welpe wenn kein Trainer daneben steht ist entscheidend.
Wir beantworten jede Frage und stehen euch gern bei. Die Hauptarbeit leistet ihr jedoch selber 7 Tage die Woche und 24 Stunden täglich.
Wir sehen euch nur 1 bis 2 Stunden die Woche. Wichtig also, dass ihr lernt umzusetzen was wir sagen und zeigen.

Und dann ist ein Welpenspiel sehr wertvoll für Hund und Halter und durch nichts zu ersetzen.

Lasst euren Welpen ihre Kindheit und geniesst die Zeit in der sie so klein und kuschelig sind 🙂